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Eigentlich ein stinknormaler Typ

Rückblickend was so unfassbar viel Zufall und Glück am Werk

Anfang 2017 verließen mich meine beiden Mitbewohner aus unterschiedlichen Gründen. Der Eine wollte nach Hamburg weil er im Drittversuch seine Klausur verhauen hat. Der Andere fand eine hübsche Wohnung am Bahnhof seiner Heimatstadt und wollte wieder pendeln. Ob ich die beiden vermissen werde? Wohl kaum (Aus Gründen der Anonymität wähle ich Hamburg und Heimstädtler), ständig nörgelte der Heimstädtler wegen meines Musikgeschmacks und Hamburg verstand sowieso nur ein drittel von dem was ist sagte. Nachdem ich die Wohnung nun temporär für mich hatte, genoss ich mein Alleinsein mit übermäßig lauter Musik und tagelang auf der Spüle stehendem Geschirr. Vertieft in meiner täglichen Runde "League of Legends" hörte ich das ohrenbetäubende Klingeln unserer bzw. im Moment nur meiner Wohnheimstür. Ein weiterer DHL-Bote der die Pakete der anderen WGs bei mir abliefern wollte, weil diese mal wieder in der Uni oder noch verkatert waren, so meine Vermutung. Minuten vergingen und das Klingeln ertönte mehrmals. Wie Stur kann so ein Bote denn sein? Nach dem fünften Klingel stand ich wutentbrannt auf und rannte zur Tür, als ich diese schließlich energisch aufzog, stand dort aber kein Liefertyp. Ein Junger Kerl, schätzungsweise Anfang Zwanzig, Blonde Haare, Bart und ein breites Grinsen im Gesicht. Bevor ich überhaupt fragen konnte was er denn hier möchte, legte er los: "ich will mir mal die Wohnung anschauen, hab die Gelegenheit bekommen hier einzuziehen". Nun gut, ich bat ihn herein und meine erste Frage überraschte mich vermutlich genauso sehr wie ihn: "Gehst du öfter in den Puff?" Er lachte verlegen und entgegnete lässig grinsend mit einem "ständig". Wieso frage ich so etwas? Keine Ahnung, ich wollte wohl cool und anders wirken, was auch immer. Ich schob den Gedanken an die Frage beiseite und zeigte ihm die Wohnung. Auf den Zugang zum Dach war ich besonders stolz und drängte ihn gleich Richtung Feuerleiter. Oben plauderten wir ein wenig und merkten schnell, dass wir einen Haufen Gemeinsamkeiten hatten und er sich vermutlich für die Wohnung entscheiden wird. Eine Woche später zog er schließlich ein und dies sollte der Beginn einer kompletten Lebensveränderung werden.